Das wilde La Gomera

Schneller als wir dachten, sitzen wir nun wieder auf unserer Couch im heimischen Görlitz. Sieben Wochen waren dann doch keine Zeit für uns Weltengugger. Aber irgendwie sind wir auch froh wieder zu Hause zu sein. Für uns Reisefiebergeplagte eine echte Seltenheit. Da unser, bisher leerstehendes, Nachbarhaus jedoch in den kommende Monaten eine laute, dreckige Baustelle sein wird und Balkonien somit zur Staubwüste wird, bleibt uns mittelfristig wohl nichts anderes übrig, als wieder zu verschwinden. Nun heißt es aber erst einmal Sachen waschen, die restlichen Fotos sortieren und wieder etwas Kraft sammeln. Denn die haben wir reichlich auf den Kanaren gelassen. Vor allem während unserer letzten Etappe, der Insel La Gomera.

Auf in die Fähre

Wieder mal der tolle Teide

Auf diese waren wir Anfang März mit dem superschnellen Trimaran der kanarischen Fährlinie Fred Olsen übergesetzt. Gleichzeitig war dies Indias erste Bootstour und sie fand Gefallen an den zwei Schaukelstunden – im Gegensatz zu ihrer Mama. Kurz vor der Einfahrt in den Hafen der Inselhauptstadt San Sebastian konnten wir noch einmal den höchsten Vulkan der Kanaren, den Teide, am Horizont bewundern. Weniger bewundernswert war dagegen unsere Unterkunft für die ersten beiden Tage, doch India muss sich ja auch mal an niedrigere Standards gewöhnen. Glücklicherweise war gerade Karnevalszeit, sodass wir uns statt im dunklen, fensterlosen Zimmer abzuhängen, lieber die zahlreichen tollen Kostüme der Gomerianer anschauten. Davon inspiriert verkleideten wir India gleich mal als Rotkäppchen.

Traurige Clowns mit Krankenschwester

Von San Sebastian ging es weiter in das Valle Gran Rey, dem touristischsten Tal Gomeras. Wo früher die Hippies hausten, befinden sich heute zahlreiche Apartmentanlagen und Ferienhäuser. Eines der Letzteren hatten auch wir für eine knappe Woche gemietet. Doch auf dem Weg ins „Tal des großen Königs“ offenbarte sich gleich einmal der große Nachteil der Insel. Denn um von „A“ in das oft wenige Kilometer Luftlinie entfernte „B“ zu kommen, muss man meist über tausend Höhenmeter und viele Fahrkilometer auf kurvenreichen Strecken zurücklegen. Da unsere Tochter das irgendwie nicht so toll fand, stand unser Mietwagen dann doch mehr herum, als dass er genutzt wurde. Lesson learned.

Terrassenparty

Valle Grand Rey

Glücklicherweise bot sich mit dem Strand vom Valle Grand Rey ein entspanntes und nahe gelegenes Ausflugsziel. Hier genossen wir die Klänge verschiedener Straßenmusiker während die Sonne im Meer versank. Am kommenden Tag wurde der örtliche Hafen erkundet und eine kleine Wandertour zu einem Wasserfall stand auf dem Plan. Diese musste jedoch auf halber Strecke aufgrund widriger Wegbarkeit abgebrochen werden. Nichtsdestotrotz gab es schon auf der Hälfte der Strecke bereits viel zu sehen. Etwa riesige Basaltsäulen und blühende Kakteen.

Toller Himmel

Zwei süße Wanderinnen

Noch mehr zu sehen gab es bei unserer Wanderung durch den Laurisilva, den Lorbeerwald Gomeras, der gleichzeitig der Größte der Kanaren ist. Durch den Dauernieselregen begünstigt, wachsen hier urtümliche, mit Moos überwucherte Bäume und dank des ständig vorbeiziehenden Nebels fühlt man sich wie in einem Zauberwald aus dem Märchenbuch. Glücklicherweise ohne böse Hexe. Unser letzter Ausflug aus dem Valle Grand Rey heraus ging zu einem Rainbow Gathering. Wie schon in Neuseeland wollten wir hier einen Nachmittag mit interessanten Leuten verbringen. Doch die Straße stellte leider den Höhepunkt an Kurvigkeit dar und da auch der Abstieg zum Hippiestrand recht gefährlich aussah, konnten wir nur dank unseres Paparazzi-Teleobjektivs an dem alternativen Treffen teilnehmen.

Moosig

Als nächstes hatten wir sechs Tage in Hermigua vor uns. Diese, ebenfalls in einem wunderschönen Tal gelegene, Ortschaft war ein weit besserer Ausgangspunkt für Wanderungen. So packten wir India auch gleich in ihr Tragetuch und während sie friedlich schlief, kraxelten wir auf einige der umliegenden Gipfel und genossen die grandiosen Ausblicke auf die tief unter uns liegenden Täler und das in der Ferne erkennbare Teneriffa. Außerdem konnten wir, auch wieder dank Teleobjektiv, der Gewinnung des berühmten gomerischen Palmenhonigs beiwohnen.

Erinnerungen

Palmhonig-Imker

Danach hieß es wieder Rucksäcke, Kinderwagen, Babyschale, Tagesrucksack und Baby schultern, denn die Heimreise stand an. Da Gomera nur einen Regionalflughafen sein eigen nennt, mussten wir, nach einem weiteren Tag in San Sebastian, mit der Fähre nach Teneriffa, in der Hafenstadt Los Christiano, übersetzen. Der Unterschied zum beschaulichen La Palma und La Gomera war drastisch, denn hier stand eine Bettenburg neben der nächsten und am Strand sowie auf den Straßen stapelten sich die Touristen. Wir hatten also alles richtig gemacht und vor allem La Palma würden wir jedem weiterempfehlen. Der Rückflug war dann noch einmal für uns drei recht anstrengend, sodass wir froh waren, dass uns Frankas Schwester und Mutti aus Leipzig abholten. Gegen Mitternacht war es dann geschafft und wir konnten unsere müden Häupter auf vertraute Kissen betten und von kommenden Abenteuern träumen…