Dem Winter entkommen

Nun ist es endlich wieder soweit. Unser beiden treuen Deuter-Rucksäcke stehen gepackt in der Ecke und warten genauso sehnsüchtig wie wir auf den Beginn eines neuen Abenteuers. Diesmal wird uns jedoch jemand begleiten: Unsere kleine Tochter India will ihren Winterklamotten entschlüpfen und das Meer sehen. Als unser Winterexil hatten wir uns die Kanareninsel La Palma ausgesucht. Laut den Beschreibungen im Internet soll diese nicht allzu touristisch und sehr kinderfreundlich sein. Das La Palma aber auch eine der steilsten Inseln der Welt ist, sollten unsere Beine erst vor Ort erfahren…

Also, ich bin bereit

Das nervt!!!

Los ging es Ende Januar vom Leipziger Flughafen. Von dort brachte uns ein erst Charterflieger nach La Palma und dort ein Bus in unsere Apartment-Anlage El Cerrito in Los Cancajos. Wie ihr also seht, sind wir unter die Pauschalurlauber gegangen. Aber eher gezwungenermaßen, da dies die einzige Variante war, kurzfristig aus Ostdeutschland direkt nach La Palma zu kommen. Doch die Entscheidung war richtig, denn Los Cancajos sollte sich als ideale Basis für unsere zahlreichen Insel-Wandertouren herausstellen. Außerdem gab es hier alles vor Ort, was man sich für einen gelungenen Urlaubseinstieg wünscht.

Um unsere müden Muskeln wieder in Schwung zu bringen, wanderten wir gleich zu Anfang eine „Einsteigertour“ zu den alten Wassermühlen der Inselhauptstadt Santa Cruz. Hier wurde früher mithilfe des aus den Bergen herangeführten Wassers geröstetes Getreide für Gofio gemahlen, eine der Leibspeisen der Kanaren. Auf dem Rückweg nach Cancajos mussten wir einmal mehr feststellen, wie klein die Welt doch ist, als wir Görlitzer Bekannte an der Bushaltestelle trafen. Schnell war ein Treffen arrangiert und während Kinderbespaßung und Mittagessen wurden Inseltipps ausgetauscht. Dank des immer besseren Wetters konnten wir am darauffolgenden Tag endlich mal am Strand faulenzen. Hier schaute India gebannt den Wellen zu, während Papa und Mama abwechselnd in die recht kühlen Fluten sprangen.

Nach dieser Erholungsphase hieß es wieder Wanderschuhe schnüren und auf ging es in die Berge. Dank des preiswerten und dichten Busnetzes war die Anfahrt zu unseren zahlreichen Wanderungen kein Problem. Als erstes hatten wir uns ein Waldtour entlang mehrerer der lebenspendenden Quellen von Brenja Alta herausgesucht. Auch hier waren wieder zahlreiche Höhenmeter zu erklimmen, doch der Lohn war ein mystisch anmutender Wald. Bereits am nächsten Tag ging es weiter. Diesmal wollten wir die vulkanische Vergangenheit La Palmas unter die Lupe nehmen. Dazu bestiegen wir den Vulkan San Antonio bei Fuencaliente und bestaunten den zuletzt 1971 ausgebrochenen Vulkan Tenigua von unten. Neben den Vulkanenkegeln war es besonders die bizarre Lavalandschaft, die uns in ihren Bann zog.

Der verwunschene Wald

Sonnenschutz noch biologischer

Da nicht alle der geplanten Wanderungen babytauglich waren, gab mir Franka „frei“, damit ich mir eine der eindrucksvollsten Schluchten La Palmas anschauen konnte. Die steilen Felswände der „Barranco de la Madera“ waren ein Sinnbild dafür, wie das Wasser die noch recht junge Vulkaninsel geformt hat. Doch vom Wasser selbst sieht man leider wenig in den palmesischen Schluchten. Zwar hört man es öfters am Wegesrand rauschen, doch ist es dort eingeschlossen in Rohre oder Kanäle, die das kostbare Nass direkt zu den vielen Bananenplantagen weiterleiten. Einer dieser in die Felswand geschlagenen Kanäle diente dann auch als Rückweg und bot atemberaubende Blicke in den tiefen Abgrund.

Nur nicht daneben treten

Eine etwas einfacher zu bewältigende Wanderung führte uns dann wieder gemeinsam zum Cubo de la Galga, ein vom Urwald überwuchertes Tal im Norden der Insel. Zwischen Farnen, Moosen und vielen anderen exotischen Gewächsen bestaunten wir die Artenvielfalt der Insel. Noch mehr erstaunte uns aber, wie entspannt sich unser sonst recht unruhiges Kind während der Wanderungen zeigte. Ist halt ein Naturmädel. Zum Ende unserer drei Wochen im El Cerrtito musste noch ein Jubiläum gebührend begangen werden. Denn mein 500. Geocache stand an und zufälligerweise befand sich ein Tauchcache quasi genau vor unserer Haustür. Als nachträgliches Weihnachtsgeschenk bekam ich von Franka zwei Tauchgänge gesponsert, wobei mich der erste zum Cache führte, der zweite in eine Höhle, an deren Ende man sogar auftauchen konnte.

Zum Verrücktwerden schön

Dann hieß es wieder Rucksäcke packen und ab ging es zurück nach…ach nee, weil es so schön war, bleiben wir doch noch ein bisschen. Am besten noch zwei weitere Wochen auf La Palma und danach zwei Wochen auf der Nachbarinsel La Gomera. Und damit es etwas individueller wird, übernachten wir diesmal in alten, renovierten Bauernhäusern, den Casas Rurales. Das heißt natürlich, es gibt noch vieles mehr zu berichten…Bis dahin.