In eisigen Höhen – Besteigung des Huayna Potosi

Frisch zurück in unserer Herberge in La Paz ging es gleich auf zum nächsten Abenteuer. Schon in Deutschland träumte ich von der Möglichkeit in den Anden einen 6.000 Meter hohen Berg zu besteigen. Die Bedingungen hierfür sind nämlich dort am besten. Unsere Wahl fiel auf den nah bei La Paz gelegenen Huayna Potosi und wir buchten eine 3-tägige Gipfeltour, mit Führer und Ausrüstung. Am ersten Tag fuhren wir mit dem Jeep zum 4.700 m hoch gelegenen Basislager, von wo es auch gleich zu einer Gletscherwanderung mit Eispickel-Training aufging.

Bolivien-32

Trotz des Nebels war der Gletscher gigantisch und wir konnten unsere Klettererfahrung voll ausspielen. Nur die dünne Luft machte uns jetzt schon zu schaffen.

Bolivien-34

Nach einer für Franka schlaflosen Nacht ging es am nächsten Morgen auf zum Höhenlager auf 5.130 m. Auf dem Weg dahin entdeckten wir noch unseren bisher am höchsten gelegenen Cache! Diesen hatte bisher auch noch niemand vor uns gefunden, was mich besonders stolz machte. Im Höhenlager ging es früh zu Bett, da der nächste Tag schon um Mitternacht begann.

Bolivien-36

Wieder einmal bekam Franka vor Kopfschmerzen und Höhe kein Auge zu, aber dennoch ging es, trotz nicht idealem Wetters, gemeinsam um 1 Uhr mit Pickel und Steigeisen an den Gletscher. Die ersten Schritte taten noch weh, doch dann fanden wir langsam unseren Rhythmus. So kämpften wir uns Stück für Stück in der Dunkelheit hinauf, während ein leichtes Schneetreiben einsetzte. Nach 300 m ließen Frankas Kräfte schon ein wenig nach, so dass ich den Gipfelsturm alleine in Angriff nehmen musste. Franka kämpfte sich noch bis auf stolze 5.700 m hinauf, musste dann jedoch nach mehrmaligem Erbrechen und annahendem Gewitter zur Hütte zurückkehren. Derweil überquerte ich im eisigen Sturm einige Gletscherspalten, kämpfte mich durch ein scharfkantiges und fragiles Eislabyrinth und erreichte nach riskanter Felskletterei den schmalen Gipfelgrat. Dort waren wir noch etwa 30 Höhenmeter vom Gipfel entfernt, als der Donner immer näher kam. Mein Führer drehte sich zu mir um und wies auf die Gefährlichkeit der Situation hin. Die Elektrizität war bereits in der Luft spürbar. Als meine ausgeschaltete Kopflampe von allein anfing zu leuchten und die Eisaxt zu „singen“ begann, hatte ich gegen eine Rückkehr nichts mehr einzuwenden. Nach schnellen Fotos ging es hastig zum Lager zurück, wo ich meinen kleinen tapferen Engel tröstend in die Arme nahm.

Bolivien-40

In La Paz zurückgekehrt erfüllte sich nun Frankas Wunsch und wir buchten eine Tour in das Amazonasbecken.

Ein Gedanke zu „In eisigen Höhen – Besteigung des Huayna Potosi

Kommentare sind geschlossen.