Australien

Mehr Meer geht nicht – Entlang der Great Ocean Road

The Great Ocean Road – allein der Name verspricht schon einiges. Und wer schon einmal Bilder der Zwölf Apostel (eigentlich nur noch acht, aber egal) im Sonnenuntergangslicht gesehen hat, wird dem Ruf dieser grandiosen Naturkulisse nicht widerstehen können. So ging es auch uns, die auf dem Weg von Adelaide nach Melbourne keine Kosten, Mühen und Massentourismus gescheut haben, um die bizarren Felsformationen, die seit Jahrtausenden dem Wind und Wellen des Südpolarmeeres trotzen, zu sehen.

Nach unserem Einstieg in die „Großartige Meeresstraße“ mit der Bay of Islands nahe Peterborough ging es weiter zur Bay of Martyrs (Bucht der Märtyrer). Hier gab es auch zum ersten Mal die Möglichkeit, zum Fuß der steilen Felsklippen zu wandern und den gelben Sand sowie das azurblaue Wasser nicht nur mit den Augen, sondern auch mit den nackten Zehen (und India mit ihrem Mund) zu erleben. India war natürlich hellauf begeistert, endlich mal wieder einen ordentlichen Sandkasten zu haben. Gleich nebenan besuchten wir dann The Grotto (Die Grotte), ein Felsloch, welches mit seiner gelben Färbung einen interessanten Rahmen für den dahinterliegenden blauen Ozean bildete.

Weiter ging es danach zur australischen Variante der London Bridge, einem großen Felsbogen vor der Küste. Doch im Gegensatz zum Original ist es hier eher nicht empfehlenswert, diese Natur-Brücke mit einem Boot zu unterqueren – vor allem beim normalerweise recht starken Wellengang des Südpolarmeeres. Als kleinen Bruder der London Bridge könnte man wohl „The Arch“ bezeichnen. Dieser kleine Bogen ist im Gegensatz zu seiner großen Schwester noch mit dem Festland verbunden, doch zum Besteigen nur für Wagemutige gedacht.

Als krönenden Abschluss unseres zweiten Tages entlang der Great Ocean Road hatten wir uns den Sonnenuntergang über den Zwölf Aposteln aufgehoben. Dieses Ensemble aus nunmehr nur noch acht, bis zu 60 m hohen Kalksteinfelsen ist neben dem Uluru (Ayers Rock) die meistfotografierte Touristenattraktion Australiens. Dies können wir von unserer Seite bestätigen: Zum einen tummelten sich mehr als tausend Menschen auf den verschiedenen Aussichtspunkten des Nationalparks und zum anderen dürfte wohl jeder dieser tausend Menschen mindestens 200 Felsfotos auf seiner Kamera mit nach Hause genommen haben. Zumindest ging es uns so.

Dies lag vor allem an den vielen verschiedenen Perspektiven, welche die unterschiedlichen Beobachtungsplattformen boten, und zum anderen veränderte sich die Lichtstimmung immer wieder während des halbstündigen Sonnenuntergangs. An dessen dramatischen Ende leuchteten die Felstürme und die dahinter liegenden Steilküste noch einmal in einem satten Orange auf, bevor die Dämmerung die Farben mit einem Schlag verblassen ließ. Dies war dann auch der Zeitpunkt, schnell zu unserem Van zurückzukehren, um noch einen Platz auf dem nahe gelegenen Campingplatz zu ergattern.

Nach diesem Highlight hatte die Great Ocean Road jedoch noch ein paar weitere Asse im Ärmel. So ging es am kommenden Tag ein kleines Stück auf dem bereits gefahrenen Teil zurück zum Loch Ard Gorge. Hier haben Wellen eine dramatische Meeresbucht geschaffen, samt steiler Felswände, weichem Sandstrand und einer Piratenhöhle (ohne Piraten). Doch während wir dieses Naturwunder genießen konnten, zeigte ein nahegelegener Friedhof, dass dieser Ort auch die Kulisse einer menschlichen Tragödie war, als der Klipper Loch Arge hier 1878 auf Grund lief und 52 Menschen ihr Leben in den tosenden Fluten ließen.

Da während unseres Besuches das Meer jedoch relativ ruhig war, blieb uns der Anblick eines weiteren Naturschauspiels verwehrt: Denn erst bei hohem Wellengang werden die Thunder Cave (Donnerhöhle) und das Blowhole (Blasloch) ihren Namen gerecht.

Dass die Great Ocean Road jedoch nicht nur aus spektakulären Buchten und Felsformationen besteht, zeigte sich bei unserer nachmittäglichen Wanderung durch den Melba Gully im Great Otway Nationalpark. Hier hat sich dank des reichhaltigen Niederschlags ein immerfeuchter Regenwald gebildet, mit Farnen, Myrtenbuchen und aggressiven Käfern 😉 Nach soviel Aufregung hieß es dann erst einmal ein Nacht drüber schlafen und alles setzen lassen, was wir dank Wiki Camps mehr oder minder legal in dem kleinen Ort Apollo Bay machten.

Nach unserem romantischen Frühstück am Fluss mit frisch gepflückten Brombeeren ging es dann weiter zu einer von Menschenhand geschaffenen Attraktion. Denn am Carisbrook hatte sich wohl eines Tages ein gelangweilter Backpacker hingesetzt, und angefangen, ein Steintürmchen zu bauen. Inspiriert von diesem Pionier müssen dann viele weitere Backpacker den nahezu unendlichen Nachschub an Granitsteinen an diesem Strand genutzt haben, um weitere hunderte Steinmännchen zu erschaffen. So entstand ein temporäres Kunstwerk, welches vielleicht auch eine kleine Hommage an die Felsen der Great Ocean Road sein könnte. Wir ließen uns die Gelegenheit natürlich nicht nehmen und hinterließen auch ein kleines Weltengugger-Türmchen am Strand.

Zum Abschluss unserer ereignisreichen Fahrt entlang des Südpolarmeeres sahen wir noch wilde Koalas, entspannte Eulenschwalme und die Überreste eines verheerenden Buschbrandes. Dann sagten wir dem australischen Festland vorerst Lebewohl und steuerten im Melbourner Hafen Kifaru in den Bauch der Tasmanian Spirit. Warum wir vor dem Befahren der Fähre noch eine Fressorgie hatten, um danach von Knäckebrot und Wasser zu leben, erfahrt ihr dann im kommenden Bericht. Bis dahin…

Hier gibt es alle Fotos von unserer Fahrt ans Meer zu sehen: Entlang der Great Ocean Road

2 Gedanken zu „Mehr Meer geht nicht – Entlang der Great Ocean Road

  1. Sehr schöne Bilder, die einem das Fernweh bringen. Hier kommt nun schon so langsam der Herbst an und man möchte lieber reis aus nehmen. Danke für den Bericht und weiter so; damit es uns hier nicht grau wird. LG JaM

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