Kanaren

Durch Lorbeerwälder und Vulkankrater

Nachdem wir unseren sicheren Hafen in Form der Apartmentanlage El Cerito verlassen hatten, hieß es knapp 60 Kilogramm Gepäck und Baby per Fuß und Bus von A (Cancajos) nach B (San Andres y Sauces) zu transportieren. Was sich entgegen erster Erwartungen glücklicherweise als möglich erwies, auch wenn uns die etwa 150 Höhenmeter zu unserem neuen Haus „Casa Los Nacientes de Marco“ dann doch fast den Zahn zogen. Aber wir schafften es und uns begrüßte ein wunderschönes altes Bauernhaus mit tollem Blick über Bananenplantagen hinweg auf das Meer. Ebenfalls schön war der hauseigene Kamin, den wir „leider“ gleich nutzen konnten, da uns ein zweitägiger Sturm erst einmal im Haus festhielt. Dann schien aber wieder die Sonne und wir konnten endlich auch die Hausterrasse zum Bräunen und Sternenguggen nutzen.

Ich habe Feuer gemacht

Sternennacht

Dann war es aber genug mit dem Müßiggang und es ging wieder ab in die Natur. Denn wir hatten einen der letzten großen Lorbeerwälder der Kanaren direkt vor der Tür. Dank des Nordost-Passats, der ständig feuchtigkeitsspendende Wolken auf den nördlichen Teil der Insel treibt, finden hier Baumarten aus dem Tertiär-Zeitalter noch immer ideale Bedingungen. Entsprechend exotisch gestaltet sich die Pflanzenwelt an den Bergflanken und wir fühlten uns wie in einer anderen Welt. Doch nicht nur für Botaniker bietet La Palma ideale Bedingungen. Auch die Astronomen kommen auf ihre Kosten. Denn da es am höchsten Punkt der Insel viele klare Nächte gibt, wurde hier das europäische Roque-de-los-Muchachos-Observatorium gebaut. Da es jedoch keine öffentliche Busverbindung auf die 2400 Meter gab, mussten wir mit einem Blick von unten vorlieb nehmen.

Im Lorbeerwald

Weitere seltsame Gewächse

Viel zu schnell waren unsere sechs Tage im Nordosten der Insel vorüber und die nächste Reise stand auf dem Programm. Auch diesmal erwies sich La Palmas Bustransportsystem als vollkommen ausreichend und so gelangten wir schnell und preiswert an die sonnenverwöhnte Westküste. Hier hatten wir uns ein einfaches Zimmer in Tazacorte reserviert, um ein wenig den naheliegenden Strand zu genießen. Ein zufälliges Treffen mit einer ehemaligen Theaterkollegin mitsamt Familie verhalf uns dort zu einem schönen Nachmittag mit netten Menschen, während wir das bunte Leben am Strand beobachteten und den tollen Klängen der Straßenmusiker lauschten. Zum Abschluss gönnten wir uns sogar ein Restaurantessen mit frischem Fisch und Mini-Tintenfischen.

Wilde Küste

Frischer Fisch

Doch natürlich sollte auch hier das Wandern nicht zu kurz kommen und so stiegen wir in einen Bus, der uns in den Inselnorden nach Puntagorda brachte. Neben den gerade in voller Blüte stehenden Mandelbäumen interessierten uns hier vor allem die früheren Wohnhöhlen der kanarischen Ureinwohner, der Guanchen. Diese leben zwar heute nicht mehr hier, dafür hat sich der ein oder andere Hippie seine eigene Höhle eingerichtet. Neben diesen exotischen Behausungen bewunderten wir die zahlreichen wunderschönen Drachenbäume und die vielen kleinen Fincas mit ihren liebevoll gestalteten Gärten. Am Ende blieb dann leider kaum noch Zeit, um den berühmten Bauernmarkt von Puntagorda und seine vielen alternativen Besucher näher kennenzulernen.

Mandelblüte

Drachenbaum

Als letzte Station auf La Palma hatte sich Franka ein weiteres süßes Bauernhaus in der Nähe von El Paso ausgesucht. Auch hier konnten wir wieder einen fantastischen  Blick auf das Meer genießen, besonders schön natürlich mit einem dazugehörigen Sonnenuntergang. Vor allem diente uns die „Casa Bodega“ aber als idealer Ausgangspunkt, um Los Llanos und seine Umgebung zu erkunden. Denn die heimliche Inselhauptstadt bewies mit ihren vielen restaurierten Häusern und der alpinen Umgebung einen besonderen Charme. Sogar einen echten Ali-Döner gab es vor Ort, der trotz seiner touristischen Preise ausprobiert werden musste.

Schickes Häuschen

Sonnenuntergang

Das Kronjuwel La Palmas hatten wir uns bis zum Ende aufgehoben: Die Caldera de Taburiente. Dieser riesige Krater bildet das Herz der Insel, quasi ein erodiertes Gegenstück zum Teide-Vulkan von Teneriffa. Da der Abstieg in den Krater zeitlich und kindtechnisch kaum machbar war, entschieden wir uns für die „Sesselpuper“-Variante und ließen uns per Anhalter zu einem Aussichtspunkt am Kraterrand fahren. Von hier genossen wir dann ausgiebig den tollen Panoramablick auf die teilweise noch mit Schneeflecken übersäten, steilen Kraterwände und den kiefernbedeckten Kraterboden.

Toller Talblick

Die Nose von La Palma

Schneller als gedacht waren unser fünf Wochen auf La Palma vorbei und es hieß für India ein neues Verkehrsmittel auszuprobieren: Mit der Fähre ging es auf die Nachbarinsel  La Gomera, wo uns weitere spannende Tage erwarteten…